Bava Kamma 233

Kapitel 233

א אי דינא אי קנסא א"ל אי דינא גמרינן מיניה אי קנסא לא גמרינן מיניה
1 ob dies rechtlich oder nur eine Buße ist? Dieser erwiderte: Ist dies rechtlich, so ist hiervon [auf andere Fälle] zu folgern, und ist dies nur eine Buße, so ist hiervon nichts zu folgern. –
ב ומנא תימרא דמקנסא לא גמרינן דתניא בראשונה היו אומרים המטמא והמנסך חזרו לומר אף המדמע
2 Woher entnimmst du, daß von einer Buße nichts zu folgern sei? – Es wird gelehrt: Früher hatten sie es nur von der Verunreinigung und von der Libation bestimmt, später traten sie zurück und bestimmten es auch von der Bemischung.
ג חזרו אין לא חזרו לא מאי טעמא לאו משום דקנסא הוא וקנסא לא גמרינן מיניה
3 Nur weil sie zurücktraten, sonst aber nicht; doch wohl deshalb, weil dies nur eine Buße, und von einer Buße nichts zu folgern ist. –
ד לא מעיקרא סברי להפסד מרובה חששו להפסד מועט לא חששו ולבסוף סברי להפסד מועט נמי חששו
4 Nein, früher waren sie der Ansicht, man berücksichtige nur eine große Schädigung, nicht aber eine kleine Schädigung, später aber bekannten sie sich zur Ansicht, man berücksichtige auch eine kleine Schädigung. –
ה איני והא תני אבוה דרבי אבין בראשונה היו אומרים המטמא והמדמע חזרו לומר אף המנסך חזרו אין לא חזרו לא
5 Dem ist ja aber nicht so, der Vater R. Abins lehrte ja: Früher hatten sie dies nur von der Verunreinigung und der Bemischung bestimmt, später traten sie zurück und bestimmten es auch von der Libation. Nur weil sie zurücktraten, sonst aber nicht;
ו מאי טעמא לאו משום דלא גמרינן מקנסא
6 doch wohl deshalb, weil von einer Buße nichts zu folgern ist!? –
ז לא מעיקרא סברי כרבי אבין ולבסוף סברי כרבי ירמיה
7 Nein, anfangs waren sie der Ansicht R. Abins, später aber bekannten sie sich zur Ansicht R. Jirmejas.
ח מעיקרא סברי כרבי אבין דאמר רבי אבין זרק חץ מתחילת ארבע ולבסוף ארבע וקרע שיראין בהליכתו פטור שהרי עקירה צורך הנחה היא ומתחייב בנפשו
8 Anfangs waren sie der Ansicht R. Abins, denn R. Abin sagte, wenn jemand einen Pfeil vier Ellen schleudert und dieser im Fluge Seidenstoffe zerreißt, sei er ersatzfrei, da die Fortnahme zum Zwecke des Niederlegens erfolgt ist, und er somit der Todesstrafe verfällt.
ט ולבסוף סברי כר' ירמיה דא"ר ירמיה משעת הגבהה קנייה איחייב ליה ממון מתחייב בנפשו לא הוי עד שעת ניסוך
9 Später aber bekannten sie sich zur Ansicht R. Jirmejas, denn R. Jirmeja sagte, daß er schon bei der Aneignung [des Weines] ersatzpflichtig war, während er der Todesstrafe erst bei der Libation verfällt.
י רב הונא בר יהודה איקלע לבי אביוני אתא לקמיה דרבא א"ל כלום מעשה בא לידך א"ל ישראל שאנסוהו עובדי כוכבים והראה ממון חבירו בא לידי וחייבתיו
10 R. Hona b. Jehuda kam einst in die Ebjonitenstadt und besuchte Raba. Da fragte ihn dieser: Hattest du einen Rechtsfall vor? Jener erwiderte: Ich hatte folgenden Fall vor; ein Jisraélit, den Nichtjuden dazu gezwungen hatten, zeigte auf fremdes Geld, und ich verurteilte ihn.
יא א"ל אהדר עובדא למריה דתני ישראל שאנסוהו עובדי כוכבים והראה ממון חבירו פטור ואם נטל ונתן ביד חייב
11 Da sprach dieser: Geh, zahle es zurück, denn es wird gelehrt, wenn Nichtjuden einen Jisraéliten dazu gezwungen haben und er auf fremdes Geld gezeigt hat, sei er frei, und wenn er es mit der Hand genommen und gegeben hat, sei er schuldig.
יב אמר רבה אם הראה מעצמו כנשא ונתן ביד דמי
12 Rabba sagte: Wenn er aber freiwillig gezeigt hat, so ist es ebenso als würde er es mit der Hand genommen und gegeben haben.
יג ההוא גברא דאנסוהו עובדי כוכבים ואחוי אחמרא דרב מרי בריה דרב פנחס בריה דרב חסדא א"ל דרי ואמטי בהדן דרא ואמטי בהדייהו אתא לקמיה דרב אשי פטריניה
13 Einst zeigte ein Mann, den Nichtjuden dazu gezwungen hatten, auf den Wein R. Maris, des Sohnes des R. Pinḥas, des Sohnes R. Ḥisdas. Darauf sprachen sie zu ihm: Trag ihn und komm mit uns. Da trug er ihn und ging mit ihnen. Als er hierauf vor R. Aši kam, befreite er ihn.
יד א"ל רבנן לרב אשי והתניא אם נשא ונתן ביד חייב א"ל הני מילי היכא דלא אוקמיה עילויה מעיקרא אבל היכא דאוקמיה עילויה מעיקרא מיקלי קלייה
14 Die Jünger sprachen zu R. Aši: Es wird ja gelehrt, wenn er mit der Hand genommen und gegeben hat, sei er ersatzpflichtig!? Dieser erwiderte: Dies nur dann, wenn er ihn nicht heranführt, hierbei aber, wo er sie herangeführt hat, galt er schon von Anfang an als verbrannt.
טו איתיביה רבי אבהו לרב אשי אמר לו אנס הושיט לי פקיע עמיר זה או אשכול ענבים זה והושיט לו חייב הכא במאי עסקינן כגון דקאי בתרי עברי נהרא
15 R. Abahu wandte gegen R. Aši ein: Wenn ein Gewalttäter zu einem sagt, daß er ihm dieses Garbenbündel oder diese Weinrebe reiche, und er sie ihm reicht, so ist er ersatzpflichtig!? – Hier handelt es sich um den Fall, wenn sie an zwei Seiten eines Flusses standen.
טז דיקא נמי דקתני הושיט ולא תני תן ש"מ:
16 Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt: reiche mir, er lehrt aber nicht: gib mir. Schließe hieraus.
יז ההוא שותא דהוו מנצו עלה בי תרי האי אמר דידי הוא והאי אמר דידי הוא אזל חד מנייהו ומסרה לפרהגנא דמלכא אמר אביי יכול לומר אנא כי מסרי דידי מסרי א"ל רבא וכל כמיניה אלא אמר רבא משמתינן ליה עד דמייתי ליה וקאי בדינא
17 Einst stritten zwei Leute über ein Netz; einer sagte, es gehöre ihm, und der andere sagte, es gehöre ihm. Da ging einer von ihnen und lieferte es dem Prohegemon[des Königs] aus. Da entschied Abajje: Er kann sagen, er habe das seine ausgeliefert. Hierauf sprach Raba zu ihm: Das soll man ihm glauben!? Vielmehr, sagte Raba, tue man ihn in den Bann, bis er vor Gericht erscheint.
יח ההוא גברא דהוה בעי אחוויי אתיבנא דחבריה אתא לקמיה דרב א"ל לא תחוי ולא תחוי א"ל מחוינא ומחוינא יתיב רב כהנא קמיה דרב שמטיה לקועיה מיניה
18 Einst wollte jemand auf das Stroh seines Nächsten zeigen, und als er dieserhalb vor Rabh kam, sprach dieser: Du sollst es nicht, durchaus nicht zeigen. Jener erwiderte: Ich zeige es, wohl zeige ich es. Da stand R. Kahana, der vor Rabh saß, auf und brach ihm das Genick.
יט קרי רב עילויה (ישעיהו נא, כ) בניך עולפו שכבו בראש כל חוצות כתוא מכמר מה תוא זה כיון שנפל במכמר אין מרחמין עליו אף ממון של ישראל כיון שנפל ביד עובדי כוכבים אין מרחמין עליו
19 Da sprach Rabh darüber:<i> Deine Söhne lagen verschmachtet an allen Straßenecken, wie ein Büffel im Netze</i>; wie ein Büffel, sobald er im Netze liegt, nicht mehr geschont wird, so wird auch das Geld Jisraéls, sobald es Nichtjuden in die Hände gefallen ist, nicht mehr geschont.
כ א"ל רב כהנא עד האידנא הוו פרסאי דלא קפדי אשפיכות דמים והשתא איכא יוונאי דקפדו אשפיכות דמים ואמרי מרדין מרדין קום סק לארעא דישראל וקביל עלך דלא תקשי לרבי יוחנן שבע שנין
20 Hierauf sprach Rabh zu ihm: Kahana, bisher waren die Griechen [an der Herrschaft], die auf Blutvergießen nicht achteten, jetzt aber sind die Perser[an der Herrschaft], die auf Blutvergießen achten und rufen: Mord, Mord! Mache dich auf und fliehe nach dem Jisraéllande, und nimm auf dich, sieben Jahre gegen R. Joḥanan nicht zu replizieren.
כא אזיל אשכחיה לריש לקיש דיתיב וקא מסיים מתיבתא דיומא לרבנן אמר להו ריש לקיש היכא אמרו ליה אמאי אמר להו האי קושיא והאי קושיא והאי פירוקא והאי פירוקא אמרו ליה לריש לקיש אזל ריש לקיש א"ל לרבי יוחנן ארי עלה מבבל לעיין מר במתיבתא דלמחר
21 Als er da hinkam, traf er Reš Laqiš an, wie er den Jüngern die Tagesvorlesung erörterte. Da sprach er zu ihnen: Wo ist Reš Laqiš? Diese fragten ihn: Wozu? Er erwiderte: Dies ist einzuwenden und das ist einzuwenden, dies ist zu erwidern und das ist zu erwidern. Da meldeten sie es Reš Laqiš, und Reš Laqiš ging und sprach zu R. Joḥanan: Ein Löwe ist aus Babylonien heraufgekommen; möge der Meister sich für die nächste Vorlesung vorbereiten.
כב למחר אותבוה בדרא קמא קמיה דר' יוחנן אמר שמעתתא ולא אקשי שמעתתא ולא אקשי אנחתיה אחורי שבע דרי עד דאותביה בדרא בתרא א"ל רבי יוחנן לר"ש בן לקיש ארי שאמרת נעשה שועל
22 Am folgenden Tage setzten sie ihn in die erste Reihe, vor R. Joḥanan; dieser trug eine Lehre vor, er aber replizierte nichts, eine zweite Lehre, und er replizierte ebenfalls nichts. [Allmählich] setzte er ihn sieben Reihen tiefer, bis er in die letzte Reihe kam. Da sprach R. Joḥanan zu Reš Laqiš: Aus dem Löwen, von dem du gesprochen hast, ist ein Fuchs geworden.
כג אמר יהא רעוא דהני שבע דרי להוו חילוף שבע שנין דאמר לי רב קם אכרעיה א"ל נהדר מר ברישא אמר שמעתתא ואקשי אוקמיה בדרא קמא אמר שמעתתא ואקשי
23 Hierauf sprach [R. Kahana]: Möge es der Wille [Gottes] sein, daß diese sieben Reihen anstelle der sieben Jahre treten, die Rabh mir auferlegt hat. Alsdann stand er auf und sprach: Mag nun der Meister von vorn anfangen. Da trug er eine Lehre vor, und jener replizierte dagegen; darauf setzte er ihn eine Reihe höher; hierauf trug er eine zweite Lehre vor, und jener replizierte wiederum.
כד ר' יוחנן הוה יתיב אשבע בסתרקי שלפי ליה חדא בסתרקא מתותיה אמר שמעתתא ואקשי ליה עד דשלפי ליה כולהו בסתרקי מתותיה עד דיתיב על ארעא רבי יוחנן גברא סבא הוה ומסרחי גביניה אמר להו דלו לי עיני ואחזייה דלו ליה במכחלתא דכספא
24 R. Joḥanan saß auf sieben Teppichen, und jedesmal, wenn er eine Lehre vortrug und jener dagegen replizierte, zog man ihm einen fort, bis alle Teppiche unter ihm fortgezogen waren und er auf der Erde saß. R. Joḥanan war ein sehr alter Mann und hatte herabhängende Augenbrauen; da sprach er zu ihnen: Hebt mir die Augen[brauen] hoch, damit ich ihn sehen kann. Da hoben sie sie ihm mit einem silbernen Schminkstifte hoch.
כה חזא דפרטיה שפוותיה סבר אחוך קמחייך ביה חלש דעתיה ונח נפשיה למחר אמר להו רבי יוחנן לרבנן חזיתו לבבלאה היכי עביד אמרו ליה דרכיה הכי על לגבי מערתא חזא דהוה
25 [R. Kahana] hatte gespreizte Lippen, und als dieser ihn sah, glaubte er, er lache über ihn, und grämte sich darüber; da wurde jener schwach, und seine Seele kehrte zur Ruhe ein. Am folgenden Tage sprach R. Joḥanan zu den Jüngern: Habt ihr gesehen, was der Babylonier getan hat!? Diese erwiderten ihm: Das ist seine Art. Darauf ging er zu seiner Gruft hin und sah